Konzepte und Übersetzungen

Was ist ein Infrastrukturkanal ?

Der von TechniCités veröffentlichte Ratgeber Clé de Sol versteht unter dem Begriff "Infrastrukturkanal" Leitungssysteme, die in einem einzigen, gemeinsamen Baukanal zusammengefasst sind. Dieser Baukanal ist grundsätzlich begehbar, so dass die in ihm enthaltenen Ver- und Entsorgungsleitungen besser beobachtet, verwaltet und gewartet werden können.
Ein auf diese Weise konzipiertes Leitungssystem erfordert in den meisten Fällen die Konstruktion einer Bauhülle, woraus sich häufig eine sprachliche Verwirrung ergibt, wenn der Begriff "Kanal" nur für die Bezeichnung Bauhülle der verwendet wird. Clé de Sol empfiehlt dem Praktiker, solche Zweideutigkeiten durch folgende Bezeichnungen zu vermeiden :
•Der Begriff "Kanal", bezeichnet das Bauwerk in seiner Gesamtheit einschließlich der Ver- und Entsorgungsleitungen, also das "Behältnis plus Inhalt",
•Der Begriff "Bauhülle", bezeichnet die Innenhülle in der die besagten Leitungsnetze zusammengelegt sind, also das "Behältnis".

Darüber hinaus ist anzumerken, dass die Konstruktion einer kompletten Bauhülle nicht immer notwendig ist, wenn bereits Leerräume oder für andere Nutzungen bestimmte Bauwerke vorhanden sind (unterkellerte Bereiche, Hohlräume unter Gebäuden, Parkhäusern unterirdische Straßen etc.).

Zwei Konzepte, die sich ergänzen

Die beiden wesentlichen Konzepte des Infrastrukturkanals sind demnach : •der Zusammenschluss von Leitungsnetzen (immer öfter "Ko-Lokalisierung" genannt) ermöglicht einen Platzgewinn im immer umworbeneren Bereich des unterirdischen Wegenetzes der Städte sowie die Mutualisierung zahlreicher Kosten,
die Begehbarkeit des gemeinschaftlichen Kanals ermöglicht die Beobachtung und den schnellen Zugang zu den Leitungsnetzen und somit ihre Kontrolle und Wartung unter optimalen technischen, juristischen und finanziellen Bedingungen.

Vokabular und Übersetzungen

In Frankreich gab es vor dreißig Jahren nur den Ausdruck « galerie technique » Obwohl dieser Begriff noch verwendet wird, etabliert sich inzwischen die präzisere Bezeichnung « galerie multiréseaux ».
In Belgien wird gerne der Begriff « caniveau technique » im Sinne von « galerie multiréseaux » verwendet. Dieser Umstand sollte nicht außer Acht gelassen werden, denn in Frankreich entspricht dieser Begriff einem anderen Konzept, nämlich der Verlegung von Leitungsnetzen in einen durch herausnehmbare Platten zugänglichen Bereich unter dem Bürgersteig. Obwohl dieses Konzept einige der Vorteile des Infrastrukturkanals bietet, hat es gemäß der französischen Bedeutung dennoch den Nachteil, dass ohne straßenbauliche Maßnahmen keine Möglichkeit der direkten Sicht auf die Leitungsnetze und deren Kontrolle besteht. Darüber hinaus gestalten sich dort Lösungen für Leitungsanschlüsse und Leitungskreuzungen als schwierig, weil diese sehr platzraubend sind.
In der französischsprachigen Schweiz wird dem Begriff « galerie technique » der Vorzug gegeben.
In den englischsprachigen Ländern finden mehrere Begriffe Anwendung : « multipurpose tunnel(s) », « multipurpose gallery(ies) », « utility tunnel(s) », « common utility duct », « common duct » oder noch einfacher « gallery(ies) ». Ein neuer Ausdruck ist derzeit dabei, sich zu etablieren : « utilidor(s) », eine Abkürzung von « utility corridor(s) ».
In den spanischsprachigen Ländern spricht man von « galeria(s) de servicios », in den deutschsprachigen Ländern von « Infrastrukturkanal(äle) » oder von « Leistungkanal(äle) ». Der letztgenannte Begriff erscheint jedoch insofern etwas zweideutig, als dass dadurch eher der Gedanke an Elektrizität als an andere Medien geweckt wird.


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